Jacques Dulon

 

(alle Texte und alle Fotos)

Gedicht des Monats: 2022, Mai

 

Wir – in der Vergangenheitsform

(aus: Lücken der Liebe)

 

Ich schaue über den Bauzaun,

an dem ich vorbeigehe.

Ein Baggerfahrer reißt mit der Abrissbirne

die Ruine eines alten Wasserturms ein

und vernebelt die klare Morgenluft

 

Auf dem Turm standen einmal wir...

Wo stehst du heute?

 

 

weitere Gedichte des Monats 

- Selbstbetrug (diese ewige Sucht nach dem Anderssein) (2022, April)

- Der Elch II (2022, März)

 

 

Neuer Text: Poetenleben (ab dem 02.06.2022 an dieser Stelle)

 

Neuer Text

Messer

(aus: Lücken der Liebe)

 

Bei Ihr wusste ich,

dass ich zwar nicht ihrer Liebe,

jedoch ihrer Freundschaft,

vertrauen durfte

 

So konnten wir,

nach dem Ende ihrer Liebe,

die Freundschaft

noch retten

 

Bei Dir

wusste ich es nicht

und bin dir direkt

ins Messer gelaufen   

 

 

                        

Ankündigung: Tajuras Lied - ein neuer Text von Jacques Dulon, demnächst an dieser Stelle

 

Foto: 10,50€ ODER DIE SCHATTENTÄNZERIN, Daun (Eifel) - Jacques Dulon
Foto: 10,50€ ODER DIE SCHATTENTÄNZERIN, Daun (Eifel) - Jacques Dulon

 

 

 

Neue Aufnahme

 

 

fremde Federn 

(eine Auswahl meiner Lieblingsgedichte der Lübecker LyrikerInnen)

 

- der abglanz der aprikosensonne (Maja Löwe)

 

- Ein Sinn (Frauke Krieger)

 

- Einfach lassen (Elisabeth Oltzen)

 

- Im Licht mein Schatten (Frauke Krieger)

 

- Im Rausch (Frauke Krieger)

 

- Sing mir den Weg (unveröffentlicht) (Soheyla Sadr)

 

- Themenarbeit zu dem Thema „W“ (Susanne Kaffka)

 

- Wassermann (unveröffentlicht) (Frauke Krieger)

 

- wenn die stunden meine landflächen (Maja Löwe)

 

 

 

Eure Audio-Favoriten unter den Dulon-Texten im letzten Jahr / in den letzten Monaten

(Meinen Dank für euer Interesse)

 

(über den gesamten Zeitraum)

1. Mein Liebeslied für Dich

2. Der schlimme Mann

3. Dieser seltsame Reiter

 

2021 - Mein Liebeslied für Dich

2022 (bisher) - Der schlimme Mann

 

Oktober 2021 - Dieser seltsame Reiter

November 2021 - Mein Liebeslied für Dich

Dezember 2021 - Als wir uns trafen

Januar 2022 - Die Poeten

Februar 2022 - Mein Liebeslied für Dich

März 2022 - Der schlimme Mann

April 2022 - Hey Jim (Sunset over Zanzibar)

Mai 2022 (bisher) - Der schlimme Mann

 

 

 

Foto: LEERE UND RAUM, Vendsyssel-Thy (Jacques Dulon)
Foto: LEERE UND RAUM, Vendsyssel-Thy (Jacques Dulon)

Neue Aufnahme

 

Hey Jim Sunset over Zanzibar

(ein Text zu einer nicht existierenden Musik von den "Doors")

 

I asked you, Jim, what is it all about?

The reality I knew was just a fraud

Jim, do you think it should be like this?

Should all betraying start with an innocent kiss?

Jim, have you seen the seven Angels beneath the stars above?

I was told, Jim, those Goddess are the Queens of war ´n love

Have you ever heard about the man who survived the World War Three?

Do you think, Jim, someone can find a single footprint outside our Galaxy?

 

Jim, I'm not sure about your latest son

Is he supposed to do the work you have done?

Jim, what he did in June it wasn't right

No war should end with a Hallelujah or a second fight

Jim, are you aware that word was spoken here for us long time ago?

I was told, Jim, by a voice raised and broken like the man perhaps you know

Or you have heard about the one who survived the World War Three

No one, Jim, no one can find a single footprint outside our Galaxy

 

Hey Jim, can you hear me wherever you brought your broken body down?

Jim, I tried to search the truth of man perhaps you've found

It is not that I'm too weak for my remaining days

Jim, it doesn't matter where you are, I know it is not my case

But I would like to know - if you can answer this

Should all betraying start with an innocent kiss?

Jim, do you know what happened to the man in the World War Three?

Do you think he has found a single footprint inside our Galaxy?

 

Okay Jim, you can do whatever you have to do I´ll cut the line

The tombstone you have left is not connected to your mind or sign

Jim, sometimes I feel like a motherless monkey in a burnt down house

I know, Jim, there are so many golden fields of crops where I can browse

And perhaps I will approach a maid to hug and kiss

But Jim, at the end those seven Angels will suck the bliss.

No, Jim, there is no future for the man who survived the World War Three

Let me count my footprints in the sand next to the Indian Sea

 

Hey Jim, I have seen last week the sunset over Zanzibar

I drove my car down to Stone Town heading the Mercury-Bar

All Arabic prosecutors had left before the morning dew

Jim you always said Mi Lai was as worse as World War One or Two

For my final destination I select I must find a name

Yes Jim, I'm on my way but I misplaced somehow my walking cane

I guess I left the stick and took a gun for the World War Three

No, Jim, no - if you have ever heard about the man… no, it wasn't me

 

No, Jim, no

No, no - it wasn't me

 

                                                  

 

 

 

 

Der schlimme Mann

(ein Stück für Chor, Schlagzeug und Orchester)

 

I

Der schlimme Mann aus Moskau

will nun neue Grenzen ziehen

und Menschen müssen wieder

über Grenzen fliehen

Drum hat er diesmal

rückwärts an der Zeit gedreht

bis nach seinen Uhren - hier

ein neuer Krieg entsteht

 

Wie Ivan Grozny, Josef Stalin

ist er ein kranker Tyrannen-Sohn

und stürzt sein Reich - was kümmert´s ihn

von einer großen Kulturnation

immer weiter in die Barbarei

bis nach Kiew, Charkiw und Odessa

wo das Leid aus seiner Tyrannei

füttert - nimmersatte Menschenfresser

  

Wo Lustgewinn, wie Liebesrauschen

nach Raketen klingen,

wo sich die Töne dann vertauschen

zu Klageliedern, die wir singen,

da spielt er Schach mit den Figuren

in denen er sich selber sieht,

Caesar, Zar – die blut´gen Spuren

die er fahrig übers Schachbrett zieht

 

Der schlimme Mann aus Moskau

will nun neue Grenzen ziehen

und Menschen müssen wieder

über Grenzen fliehen

Drum hat er diesmal

rückwärts an der Zeit gedreht

bis nach seinen Uhren - hier

ein neuer Krieg entsteht

 

Er strauchelt schon – man kann es ahnen

weil Hochmut stets den Fall erzeugt

Nur Speichellecker halten ängstlich ihre Fahnen

in den Wind, der ihr eigenes Rückgrat beugt.

Die Karten sind verteilt und wohl auch gezinkt

bis zu seinem aller letzten Blanko-Blatt.

Selbst wenn er - auch jetzt noch - neue Trümpfe bringt,

steht der schlimmer Mann schon längst im Schach und Matt.

 

Ob Figurenschieben oder Kartenspiel,

ob Seiltänzer über einem Glut-Vulkan...

der schlimme Mann kennt nur sein eigenes Ziel

und lebt nur noch in seinem eigenen Wahn

Er hebt den Vorhang, spielt auf Bühnen

und weiß nicht wie die Stücke sind

Er spielt auf Sieg – um sich zu rühmen

bevor das Endspiel dann beginnt

 

Der schlimme Mann aus Moskau

will nun neue Grenzen ziehen

und Menschen müssen wieder

über Grenzen fliehen

Drum hat er diesmal

rückwärts an der Zeit gedreht

bis nach seinen Uhren - hier

ein neuer Krieg entsteht

 

II (Boxer)

Das Leid der Menschen ist nun unverstellt,

so nackt und grell wie ihre Sehnsucht

scheint - nach Freiheit, die sie am Leben hält,

zwischen Kämpfen, Bleiben und der Flucht!

Ein Boxer ist´s, der nicht vorm Kämpfen flieht

Verzweifelt wirft er seinen Faustschuh fort,

nur um zu bleiben, denn dort wo sein Kampfkleid liegt

ist sein Heimatort…..

 

                             

Foto: LICHT UND FENSTER, Hurup (Vendsyssel-Thy)
Foto: LICHT UND FENSTER, Hurup (Vendsyssel-Thy)

24.02.2022

 

wer seinen Bruder erschlägt,

trägt fortan das sichtbare

Zeichen einer Wunde

auf der eigenen Haut

 

wer seinen Bruder erschlägt,

dem reinigt auch nicht

das Pilatus-Wasser

die eigenen Hände

 

          

 

Neuer Text

Countdown (ins Beschränkte)

- inspiriert durch peng! und die Wortspiele von Elisabeth Oltzen -

 

drei-ste

zwei-fel

an meiner

eins-eitigkeit

 

 

 

 

Foto: CIRCLES, Frombork (www.jacquesdulon.com/frombork)
Foto: CIRCLES, Frombork (www.jacquesdulon.com/frombork)

Zwei Panzer (vor Kiew)

 

Und als der erste Panzer rollt,

kann ich es nicht ertragen.

Er rollt die Menschen nieder,

die sich auf die Straße wagen

 

Ein zweiter Panzer fährt vorbei,

der auf einen Einkaufsladen zielte

Dort sucht ein Hund – minutenlang,

das Kind, mit dem er spielte

 

                   

Neue Aufnahme

 

 

 

Ankündigung: Ein Augenblick der Ewigkeit - ein Hommage auf Georges Moustaki von Jacques Dulon, demnächst an dieser Stelle

 

 

 

Was zu tun ist

(inspiriert durch Elisabeth Oltzen)

 

mit Abstand

anstehen!

mit Anstand

aufstehen!

beim Aufstand...

weggehen?

 

 

Erkennen

(nach dem Gedicht “Einfach so” von Elisabeth Oltzen)

 

Wie durch ein Leben

ein Beben entsteht

Wie ein Beben

ein Leben belebt

 

Wie du dich in mir

fortwährend versteckst

Wie ich mich in dir

dadurch entdeck´

 

Können wir uns erkennen,

sobald wir uns trennen

 

 

Flussgedichte: Inn

(inspiriert durch Elisabeth Oltzen)

 

Unsinn ?

Ohne uns !

 

 

 

Brücken ohne Ufer

(inspiriert durch Elisabeth Oltzen)

 

Sagst "wir"

Meinst "dich"

Sagst "uns"

Denkst: "ich"

 

Redest mit mir

Zu dir

Hörst dich gerne reden

(so dass ich verstumme)

 

Über mein Schweigen

legst du deine Worte

wie ein Baumeister

seine großartigen Brücken

 

Doch du bist nur ein Rufer

auf diesen Brücken ohne Ufer

 

 

 

 

 

in Planung
in Planung

 

 

 

GLAUBE, Thisted (Vendsyssel-Thy) (Jacques Dulon)
GLAUBE, Thisted (Vendsyssel-Thy) (Jacques Dulon)

Neue Aufnahme

 

 

Leaving the table

(eine Verbeugung vor Leonard Cohen)

 

My doubts were always too strong

Raised by a restless surrender

What I did was never the best

And the faith I kept - it is gone

I think I have to confess

My readiness

 

I have crossed my world to ensure

There aren’t no greater defenders

What remains must be burnt

And later be cured

I think I have to confirm

That I´m concerned

 

I had to enter the Heartbreak Hotel

But I didn´t look up to the mourners

Not knowing who is ready to heal

And who will be burnt in the heartbroken hell

I think I have to conceal

That demon´s deal

 

There was someone who died in the morning

When we heard that song of a crooner

Being touched by love was always a crime

And you left me without any warnings

I think I have to define

That heart of mine

 

What you said and always proclaimed

Was a meaningless roar for believers

But I did believe you! - Whatever you meant

And that is really a shame

I think I have to defend

My very stand

 

You were demanding my love - I was so proud

For being your dirt dumping dealer

Directing our love from diamonds to dust

And from the fortune I fell back to the fraud

I think I have to mistrust

Your loveless lust

 

I was judged by my own successor

Who deleted my name in your schedule of love

Being back at the end of the queue

I need now a girl to address her

I think I have to endure

Not being pure

 

This morning I received a poem from your lover

He has scratched my name under that draft

He´s foolish as I was - such kind of kid

Can´t cope with you – he is only a cover

I think I have to admit

I wrote that shit

 

You know what I like – what I wanted to be

You are straight like a morningless noon

For love, you said, I will pay

But your spirit remains being free

I think I have to obey

… And pray

 

I m a teaser for tears, poet for pains

And yes – I was surely your groom

Always too weak and for not being stable…

Let me get out of the game

I think I have to be able

To leave your table

 

 

 

CIRCLES, Berlin (Jacques Dulon)
CIRCLES, Berlin (Jacques Dulon)

  

(falscher Anfang)

 

be

am

an

  fang

mit

lie

an

  

 

 

Homepage Reiner Schubert: www.mundharmonikalive.de

Foto: GEDANKEN, Hainich www.jacquesdulon.com/hainich

 

  

 

Homepage Reiner Schubert: www.mundharmonikalive.de

Foto: IM LICHT DAS LICHT, Breisach www.jacquesdulon.com/wia-breisach

 

Im Schatten junger Frauenblüte

eine Hommage auf Marcel Proust

(aus: Sämtliche Chansons, 1978-2022)

 

Der Maler sieht die Frauen

Im frühen Morgenlicht

Wie sie sich selbst beschauen

Und die eine leise spricht

„Lasst uns ins Wasser wieder

Um der Müdigkeit zu fliehen“

Er sieht die nackten Glieder

Wie sie in die Brandung ziehen

 

Der Maler wählt die Töne

Für das matte Sonnengelb

Und er sieht wie jene Schöne

Sich in die Brandung stellt

Sich dreht und zu den andren

Dann wieder leise spricht

Des Malers Augen wandern

Zwischen Farben und dem Licht

 

Der Maler zieht die Linien

Nackter Körper, braun die Haut

Im Schatten seiner Pinien

Wählt die Kreide wenn er schaut

Auf die Eine in den Wellen

Die ihn entdeckt bei seinem Baum

Zwischen Skizzen, Aquarellen

Malt der Maler seinen Traum

 

Der Maler hebt die Kreide

Und die Hand mit der er winkt

Die andre misst die Weite

Als ein Lachen zu ihm dringt

Er sieht die Frauen kehren

Zu dem schmalen Strand zurück

Mit den Augen zu begehren

Weiß der Maler um sein Glück

 

 

 

Foto: SCHATTENWURF, Neuf Brisach Places in Europe | N | Jacques Dulon

Textinspiration: "Die Stadt" von Frauke Krieger

 

 

 

Der Elch (II)

(eine Postkartenbeschreibung) - für Iryna

 

Der Elch unter dem Himmel der Welt

Schaut hoch zu den Sternen, den Boden bedeckt

Ein Teppich aus gefrorenem Schnee

Über dem Elch ziehen die Wetter hinweg

Die Wetter aus Sturm - für die offene See,

die Sonnen der Wüsten, ein Gewitter das bellt

 

So laut ist der Ton – doch der Elch schaut nur still

Zum Himmel der Welt – mit seinen Wettern aus Licht

Aus leuchtenden Farben – stratosphärengebeugt

Magnetisierte Ionen – wenn Strahlung sich bricht

in seine Augen dann taucht – von Pupillen gestreut

zum märchenhaft feinen, kosmischen Bild 

 

 

 

 

Foto: IM AUGE, Bodenfelde  - Jacques Dulon (www.jacquesdulon.com/whats-new)
Foto: IM AUGE, Bodenfelde - Jacques Dulon (www.jacquesdulon.com/whats-new)

 

 

 

Foto: GESTEINIGT, Zingst Zingst (Zingst) | Jacques Dulon 

 

 

 

Dichten erlernen

(aus: Selbstgespräche mit dem literarischen ICH)

 

Kannst du das Dichten nicht lassen

Hebe dir wenigstens die edleren Themen

Für später auf - um sie – dann - als ein Meister zu fassen

(Das erspart dir den Spott - und vermindert die Tränen)

 

Doch für die ersten 1000 Jahre,

In denen du dir - als Dichter - deine Themen wählst

Nimm das allzu Bekannte – und zeig´ auf das einmalig Wahre,

Das du dir dann dichtend neu erzählst

 

Wähle den Karton – in dem man sonst Schuhe verkauft

Nun aber sterbende Fische liegen

Erzähl von ihrer Sehnsucht - nach einem Wasserlauf

Und auch von den Schuhen – mit ihrem Traum vom Fliegen

 

Wähle das Streichholz – verbrannt! - und kleide

Die Suche nach seinem inneren Glühen

In einen Kampf ohne Hoffnung - doch vermeide

Den Quatsch vom… : Es zählt das Bemühen

 

Wähle... - nun gut! du leidest ja Qualen -

Schlussendlich auch Dich –, und schreibe, wie du deine Sehnsucht stillst

Damit all die edleren Themen dann später erstrahlen

In einem schöneren Garten – und jetzt schreib über dich! - was du willst...

 

 

 

 

LEERE UND RAUM, Leipzig
LEERE UND RAUM, Leipzig

 

 

 

(aus: Lücken der Liebe)

 

Hieße ein Kreis

"Ich liebe dich"

so schnitt ich ihn aus

und schenkte dir

das Loch

 

 

  

LEERE UND RAUM, Leipzig
LEERE UND RAUM, Leipzig

 

 

 

All dies geschieht

 

Bäume brechen Asphalt auf

Splitternde Äste fallen

Im Nachtfrost

 

Birken beleuchten ihr Weiß

 

Ein sich mühender Wurm

Überquert eine Klippe

(ein anderer ist schon erfroren)

 

All dies geschieht

Im Scheinwerferlicht

einer rasenden Zeit

 

 

 

 

Foto: FREMDES LICHT, Colmar www.jacquesdulon.com/wia-colmar

Neue Aufnahme

 

 

Ankündigung: Der Sohn (Brücken ohne Ufer) (Der Sohn III) - ein Text von Jacques Dulon, demnächst an dieser Stelle

 

 

 

Zwischen Wänden

(aus: Lücken der Liebe)

 

Vereinzelt dein Wort

Auf Tapeten gebügelt

Dass der Raum

Zwischen mir und dem Zimmer

Nicht leiser erscheint

 

Ohne Dich

 

 

 

Foto: DIE UNGLEICHEN SCHWESTERN, Art Work, Jacques Dulon

 

 

 

Mord am Morgen

 

Der erste Mord am Morgen musste sein

Das Opfer - eine Mücke - noch kindlich klein...

Der nächste dann, das war schon Gier

Mit blut´ger Hand erschlug ich auch das Muttertier

 

 

 

 

 

Das Albino-Reh

 

Im Winter ein Reh

Ganz weiß!

Vom Schnee?

Nee

 

 

 

 

 

IM LICHT DEIN SCHATTEN, Haderslev (Jacques Dulon)
IM LICHT DEIN SCHATTEN, Haderslev (Jacques Dulon)

 

 

 

 

auf einer Baustelle

 

Maurer lachen gern

Das kann ich euch sagen

Wenn sie die Zementsäcke

Über die Baustelle tragen

Und sie pfeifen dabei

Ganz locker den Mädchen hinterher

 

Locker Pfeifen ist ganz schön schwer

 

 

 

DIE VERFOLGUNG, Tübingen (Jacques Dulon)
DIE VERFOLGUNG, Tübingen (Jacques Dulon)

 

 

 

Eine Freundin...

(aus: Lücken der Liebe)

 

...rief mich neulich an,

eine Freundin,

die mir manchmal noch richtig fehlt

Sie sagte: tut mir leid, wirklich

Ich habe mich verwählt

 

 

inspiriert durch das Lied "Schräge Straße" von Manfred Maurenbrecher

Foto: MEDITATION, Minden www.jacquesdulon.com/wia-minden

 

 

FENSTER IM FENSTER, Lübeck (Jacques Dulon)
FENSTER IM FENSTER, Lübeck (Jacques Dulon)

 

 

 

Was wird bleiben (von meiner Dichtung)?

(aus: Selbstgespräche mit dem literarischen ICH)

 

Wird ein einziger Zyklus oder nur ein Poem

Vielleicht nur ein Satz, ein vereinzeltes Wort

Die Reise durch zukünftige Zeiten überstehen?

Was wird von mir bis in die weitere Zukunft reichen?

und ohne mich leben, denn ich leb´ nicht mehr dort

 

Was wird bleiben…? - Welch´ sinnlose Frage !

Doch hätt´ ich die Wahl – Ich sagte es nicht!

Nun ganz ohne Macht, (was auch immer ich sage)

Wähl ich mir - ein einziges Zeichen:

den - Gedankenstrich       

 

 

 

 

 

 

kein Brief

(aus: Lücken der Liebe)

 

Die Spinne,

die 

beim Nahen des Trägers

sich nicht mehr erschreckt;

die

ruhig in den Weben

vor dem Schlitz verharrt;

will

mein Warten auf Nachricht

von Hoffnung befreien

 

 

 

fremdes Mein

(aus: Lücken der Liebe)

 

Du hast

keine eigene

Meinung,

schrie sie,

meine Frage

nicht achtend:

Meinst du?

 

Wahrscheinlich

Hatte sie recht

 

 

 

Foto: TANZ, Meppel www.jacquesdulon.com/wia-meppel

 

 

 

ROTE BLUME VOR ROTER WAND, Ludwigslust (Jacques Dulon)
ROTE BLUME VOR ROTER WAND, Ludwigslust (Jacques Dulon)

 

 

 

Herzgewalten

(aus: Lücken der Liebe)

 

Vielleicht solltest du ihr noch mal schreiben?

sagte mein Herz –

Und mein Verstand:

Lass es lieber bleiben!

 

Ich folgte meinen Herzgewalten

Doch mein Verstand sollte recht behalten

 

 

 

AUFBRUCH, Colmar (Jacques Dulon)
AUFBRUCH, Colmar (Jacques Dulon)

 

M-Trick

(aus: Buchstaben-Ballett)

 

Sprach das M:

Schau was ich kann -

Einen Kopfstand!

 

Und es verschwand

durch diesen Dreh

Und es entstand

das große W

 

Ich auch,

antwortete das S

(Doch leider blieb der Trick bis heute unentdeckt)

 

 

 

DANCERS IN THE SHADOW, Berlin (Jacques Dulon)
DANCERS IN THE SHADOW, Berlin (Jacques Dulon)

Foto: GEBOGEN, NICHT GEBROCHEN (TANZ 2), Bad Frankenhausen www.jacquesdulon.com/bad-frankenhausen

 

 

Mehr haben wir nicht (Rue de Madeleine 90)

(eine Verbeugung vor Claude Simon "Le Vent" und Bob Dylan "Desolation Row")

 

Der Johnny weiß selbst nicht wie er eigentlich heißt

Er weiß, dass er weiß, dass er niemals was weiß

Lolita, die Kindfrau trägt in sich selber ein Kind

Sie träumt ihren Traum und erfüllt den der anderen - so wie Männer halt sind

Doch nicht dem Juan, der sie jeden Tag mit einer Rose berührt

Denn die Lolita hat noch nie einer mit Anstand und Ehre verführt

Und ich lebe bei ihnen, doch du fragst mich nicht, wo das denn ist…

das ist da, wo ich dich jeden Abend vermiss

das ist da, wo du jeden Abend nicht bist

In der Rue de Madeleine quatre-vingt dix

 

Der Dichter zerreißt seine Strophen und zahlt sich den Lohn

Er glaubt seinen Taten und erspart sich den Hohn

Ein Feuerwehrmann kippt sich sein Bier in den Schoss

Er löscht sein Verlangen, doch er wird es dadurch nicht los

Der Feuermann Johnny war einmal ´ne Seemannsbraut unten am Hafen

Bis die Nutten ihn lachend von der Kaimauer warfen

Und ich lebe bei ihnen, doch du fragst mich nicht, wo das denn ist…

das ist da, wo ich dich jeden Abend vermiss

das ist da, wo du jeden Abend nicht bist

In der Rue de Madeleine quatre-vingt dix

 

Neulich kam Henry, der Leuchtturmwärter auch in unser Quartier

Und beleuchtete die Straßen, vielleicht damit ich dich seh´

Seit jenem Tag verirren sich Boote weit draußen im Meer

Sie erwarten den Wärter und auch deine baldige Wiederkehr

Die Stühle vorm Bistro sind morgens schon alle belegt

In der Hoffnung, dass irgendwer auch noch die Tische nach draußen trägt

Und ich lebe mit ihnen, doch du fragst mich nicht, wo das denn ist…

das ist da, wo ich dich jeden Abend vermiss

das ist da, wo du jeden Abend nicht bist

In der Rue de Madeleine quatre-vingt dix

 

Johanna taufte das Boot ihres Mannes auf den Namen: Jesu

Denn Jesus ging über die Wellen, das weißt doch auch du

Das Boot liegt heut´ neben den Netzen verlassen am Strand

Denn Jan, ihr Mann, predigt unten im Süden, wie er den Weg zu Jesus fand

Johanna bedient im Bistro und bringt mir den Kaffee soeben

Und ich klebe die zerrissenen Strophen, um sie Johanna zu geben

Ich leb´ hier zufrieden, doch du fragst mich nicht wo das denn ist…

das ist da, wo ich dich jeden Abend vermiss

das ist da, wo du jeden Abend nicht bist

In der Rue de Madeleine quatre-vingt dix

 

Für Johnny ist dieses Lied der Beweis, dass ich ein Dichter bin

Und für Johanna, bin ich nur ein dummes, verlassenes Kind

Johnny sagt, dass er das erste Mal in einem Lied erscheint

Und dann geht er zurück zu dem Hafen, und ich seh´, dass er weint

Auch Johanna denkt an das Boot dort an dem leeren Strand

„Du bist nicht fair zu uns“, sagt sie, und berührt meinen Kopf mit ihrer Hand

Ich leb´ hier zufrieden, doch du fragst mich nicht wo das denn ist…

das ist da, wo ich dich jeden Abend vermiss

das ist da, wo du jeden Abend nicht bist

In der Rue de Madeleine quatre-vingt dix

 

Juan grüßt und setzt sich zu mir an den Tisch sehr nah

Er flüstert ganz leise und trägt noch immer seine leuchtende Rose im Haar

„Heut´ Abend werde ich ihr mit dieser Blume einen Antrag machen

Ich sag es nur dir, denn die anderen würden ja sicher über mich lachen“

„Ach Juan“, sag ich, „die Lolita ist doch schon lange vergeben“

„Ich weiß“, sagt Juan, „aber ich kann ohne sie nun mal nicht leben“

Und ich leb´ hier zufrieden, doch du fragst mich nicht wo das denn ist….

das ist da, wo ich dich jeden Abend vermiss

das ist da, wo du jeden Abend nicht bist

In der Rue de Madeleine quatre-vingt dix

 

Henry kam mit einer Nachricht von dir heut Morgen in das Bistro

Er sagte, du wärst mit den Fischern weit draußen auf dem Meer irgendwo

Ich weiß, dass sie dich dort irgendwann zu ihrer Heiligen ernennen

Und der Jan aus dem Süden wird für dich und zu dir über das Wasser rennen

Das weiß auch Johanna, und darum halten wir uns nur durch unsere Worte am Leben

Mehr haben wir nicht, und wir können auch darum nichts anderes mehr geben

Doch ich leb´ hier zufrieden, denn du fragst mich nicht wo das denn ist….

das ist da, wo ich dich jeden Abend vermiss

das ist da, wo du jeden Abend nicht bist

In der Rue de Madeleine quatre-vingt dix

 

 

 

 

 

BLAUES LICHT, Berlin (Jacques Dulon)
BLAUES LICHT, Berlin (Jacques Dulon)

Unerhörter Weggang

(aus: Lücken der Liebe)

 

Von deinen Schuhen

Fiel

Der Klang

Deiner Schritte

Weich und leise

Auf meinen Teppich

 

So blieb

Dein Fortgang

Unerhört

In meinem Zimmer

Einfach liegen

 

 

 

Nicholas McDonald (contact via Jacques Dulon)

Foto: SCHAUEN, Neuf Brisach www.jacquesdulon.com/wia-neuf-brisach

 

 

 

 

Neue Aufnahme

Foto: SCHATTENTÄNZERIN, Daun www.jacquesdulon.com/whats-new

 

Snow in the Mountains 

(Against any cultural discrimination & for Nûdem Durak)

 

Snow in the mountains

They are covered with light

The hills are reflecting

This indescribable white

But don´t ask any questions

Don´t dig too deep

You may fall onto others

Considered as weed

 

Snow in the mountains

Deep in the night

All hills are now weeping

With an indescribable sigh

You could hear the answer

You can smell the blood

You will fall onto others

You may stick into mud

 

Snow in the mountains

So innocently bright

But your voice start singing

With no reason to hide

You are now in prison

Keep acting as strong

As your voice in the mountains

Keep singing your song

 

 

 

Ankündigung: Next to Arica - ein Lied von Jacques Dulon, demnächst an dieser Stelle

 

 

 

10 Fragen des Lübecker Lyriktreffs

 

Wer bist du?

Ein Mensch, der nach Ausdrucksmöglichkeiten sucht und manchmal - in glücklichen Momenten - auch die geeigneten findet…

 

Was inspiriert dich?

Töne, Gerüche, Wörter, Bilder, Musik, Gehörtes, die Stille, Landschaften, Erinnerungen – eigentlich alles, sobald es mich berührt.; im Positiven - wie auch im Negativen

 

Womit schreibst du am liebsten?

Mit Humor und dem eigenen PC – weil Texte bei mir in einem längeren Prozess entstehen, und ich sie nicht mit jeder neuen Arbeitsfassung erneut abschreiben möchte…

 

Was wäre eine Welt ohne Poesie für dich?

Soll ich frei nach Nietzsche antworten? - Ein Irrtum…!? aber nein… Poesie entsteht doch von ganz allein in allen Freiräumen - in denen des Denkens, Fühlens, Sprechens, Spielens…. Wer Freiräume durch Intoleranz, Rechthaberei, Abgestumpftheit zerstört, vernichtet damit auch immer die eigenen Wurzeln seiner Poesie.

 

Hast du Lieblingswörter?

Oh ja - Immer die, die mich gerade zu einem neuen Text inspirieren.

 

Wofür müsste ein Wort erfunden werden?

Ich hoffe, dass das Erfinden von Wörtern eine Hauptaufgabe der Poeten bleibt und ihnen dieser Kreativraum auch nicht genommen wird.

 

Gibt es verschwindende Wörter, die du gerne retten würdest?

Nein…. Wörter zu retten, betrachte ich nicht als meine Aufgabe. Sie besuchen mich für eine Zeit, wir arbeiten zusammen und anschließend verlassen sie mich wieder... Dass sie verschwinden, hat für mich etwas ganz natürliches. Und im besten Fall, haben sie mich durch ihre Anwesenheit ein klein wenig gerettet. 

 

Hast du ein Zitat, das dich durch das Leben begleitet?

Ja, es gibt viele Sätze von geistreichen und humorvollen Menschen, die mich zum Nachdenken verführt haben… und zum Schmunzeln. Aber ich betrachte sie nie als Gebote. Sie sind keine Dogmen, sondern fordern mich manchmal sogar zum Widerspruch auf.

 

Welche Bücher würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Jetzt schlage ich einmal ganz kräftig die Werbetrommel für die Bücher von Erri de Luca, sowie die beiden großen Romane von Gao Xingjian; für die außergewöhnliche Clarice Lispector, die wortschöpferische Marcia Bodrožić und die uns menschlich ermahnende Olga Tokarczuk…. Soll ich weitermachen?

 

Welche "gute Medizin" würdest du der Welt gerne verordnen?

Keine – denn der sogenannte Patient ist mir ein paar Nummern zu groß. Aber vielleicht sind wir ja die Kranken, die eine Medizin benötigen. 

 

 

 

in Planung
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Ankündigung: Brücken (zwischen den Seelen) - ein neues Lied von Jacques Dulon, demnächst an dieser Stelle

 

 

 

last update 28.05.2022