Soheyla Sadr

verwegen

 

ein pfeifender

nachtspazierer

zieht mich aus

meinem kopfkino

an das gekippte

küchenfenster –

ich staune, dort

duftet die luft

schon nach

frühling

 

im vorübergehen

schenkt mir dieser

schlenderer noch

nonchalant die

entdeckung des

sternenhimmels

 

als ich, anders

an meinen

flachhorizont

zurückkehre

klicke ich

verwegen den

ausschaltknopf

grenzenrand

 

jäh an eine grenze gelangt – sie stieß an ihren inneren

rand. da verließ sie der mut. keinen schritt weiter, sie

konnte nicht mehr. dieses stumpfe dröhnen in ihren

tauben ohren, zu lange unerhört. so harrte sie im regen

hielt sich fest am schirm und fragte stumm was nun?

 

da streifte sie ein strotz mit weit ausgestrecktem arm,

brummte im vorübergehen sanft nur mut. seine augen

schauten nicht tief in sie hinein, es war, als sähe er weit

hinaus. seinem blick folgend, überwand sie den grenzen-

rand und konnte nun doch einen schritt weitergehen.

der zeit ewigliches lied

 

heller amselgesang

der in meinen traum klang

feierlich verkündet er nun den morgen

alle wunder darin verborgen

 

tag und nacht

umarmen sich sacht

in ihrem leuchtenden tanz

im scheinwerferhimmelsglanz

 

was auch immer geschieht

die zeit singt ihr ewigliches lied

vom kommen und gehen –

sie lässt uns in ihr geheimnis sehen

 

als staunende erkunder*

innen teil der weltenwunder

dürfen wir heute mensch sein

verbunden mit allem, nie allein

 

so will auch ich den tag besingen

mit amsel, zeit und weltall klingen

fast am meer

 

wir suchen immerzu

nach dem sinn, nach tieferem verstehen

wollen in der surrenden mitte, zwischen den polen

wagemutig tanzen, frei sein, nur von wolkenwurzeln gehalten

verbunden mit allen lebewesen - doch ganz bei uns

 

während wir suchen und scheitern, stolpern und irren

wächst in uns, unversehens, das lichterne leuchten

gespeist aus göttlichem, jenseits aller namen

 

unser fortwährendes suchen

wenn es mit liebe geschieht -

ist es wohl der menschen sinn?

es bringt uns nicht ins paradies

aber fast bis zum meer hin

 

dort dichtet das tiefe wissen

wie ein kind und führt uns

weiter ins wunderland -

in das erleuchtende

herzverstehen

Culture Codes

 

Eine Liebeserklärung an die Kunst und ihre Schöpfer*innen. Dieses Video habe ich mit viel Freude für die Culture Codes produziert - eine Art Straßen-Ausstellung des Bürgerhauses Barmbek in Hamburg: was wären wir wohl, wir menschen, ohne kunst?

mittagspause, auf einer

erleuchteten stadtrandbank

 

wenn du dich wahrhaftig

sein lässt, gegenwärtig

kannst du in einem augenblick

das vollkommene universum erleben

 

brauchst also nicht bedauern, was du

verpasst hast im standby-modus

versäumst auch keine zeit nach dir

 

das hinkebein, der autolärm, eine

aufziehende dunkelwolkenfront -

belanglos im wirklichen jetzt

 

und dann, es wird langsam kalt

ziehst du die jacke enger um dich

landest wieder im alltagstrubel

 

doch in dir leuchtet das ewigliche

nun endlich ohne ausschaltknopf

das große fest - du bist immer

willkommener gast

die schönste aller blumen

 

dann, auf einmal, wird der fremde dir freund

dachtest, du hängst verloren über dem abgrund

dabei hast du einfach fliegen gelernt

 

wo so lang, viel zu lang, alles verschlossen

öffnen sich nun horizonte – wenn du nur

hinaus schaust, mit offenem herz

alchemisch macht es endlich

einen reim aus schmerz

 

deine dunklen tage werden humus

für die schönste aller blumen –

die wundervolle gegenwart

 

hattest schon fast auf das ende gewartet

zu viele phönixnarben, längst verhärtet

ha! da zieht das leben wieder ein, mit trompeten

mit lichten, lustig tanzenden poeten

 

dein lied, dein lied, jetzt kannst du es singen

so will das leben doch noch gelingen

ein unerkannter engel

 

zwischen stressknoten

www-irrsinn, alltagsgrau

konnten herz und kopf

keine freie leitung finden

 

der tag, wonniglich mai

duftend, sonnenschön

hing an mir wie blei

ging sinnenlos vorbei

 

ich zwang mich dann

wenigstens ein wenig

nach draußen zu gehen

um tageslicht zu sehen

 

landete irgendwie - wie nur?

am schönsten ort der stadt

hatte ihn schon vergessen

meinen liebsten kirschbaum

er stand gerade jetzt

in vollem blütentraum

 

auf der bank darunter -

eine uralte mit rollator

freute sich still an der

frühlingspracht

 

ich sah sie und doch nicht

zu dunkel mein innenlicht

wollte gerade weiterhetzen

da warf sich wohl ein unerkannter

engel zwischen mich und die zeit

er baute mir eine zarte brücke -

 

die weise lächelnde weißhaarige

erhob sich nun wie eine schnecke

u n d  k a m  i m  t a i - c h i - t e m p o  a u f  m i c h  z u . . .

 

als sie schließlich

neben mir stand

nickte sie sanft

als wären wir freunde

schon ewig bekannt

 

nun endlich konnte ich zurück-

kehren ins licht der gegenwart

sah der hinkenden nach, bis sie

hinter dem tor verschwand und

fand mich - in neuem gewand

das hellste dunkel, ohne namen

                                           für p e n g !

 

dieser unendliche punkt

an dem kosmen sich begegnen –

hier brauchen sie keine namen

 

der eine augenblick

ohne zeit uns geschenkt

kennt kein ende, keinen beginn

 

das dunkle das

am hellsten leuchtet

im weltenwunder –

 

alle unsichtbaren sphären

währen in meinen

herzaugen

 

und verglühen

und

.

in der sprache eines traumes

mondflügel

 

heutabend schien der mond halb, matt

beschnitten vom fernen schattenmacher

fast umhüllt, im wolkengespinstkokon

als wolle er sich verpuppen, winterlang.

zur genüge im erdenkraftkreis gedreht

vielmilliarden jahre im universumsgefüge

fern von sonnenarmen, sterngesellen -

will er sich wohl flügel wachsen lassen

und nächstes jahr im mai, kugelrund

im freien flug galaxien bereisen?

dieser unfassbar schöne moment

Ilu aus meinem Buch "Zufallsengel", Vier Türme Verlag

am grund

 

vom stillen gesang des lichts

ein großes staunen erhebt den blick

heilig verbundene wege ins nichts

künden vom sanften, freundlichen ja

ja, heimgekehrt ins menschental

vom herz, das endlich wieder sah

flügelspannenweit von qual zu qual -

am grund kehrt das hoffen zurück

Ilu aus meinem Buch "Zufallsengel", Vier Türme Verlag

nachtsonne

auch an wintertagen, dunkelkalten

 

als ich dir sage, dass ich dich liebe

konterst du, liebe wäre zu allgemein

wenn ich also bei dir bliebe

müsse mein ziel klar sein

 

ich soll sagen, was ich will, erwarte

genau definieren, was du mir seist

ha! so vergeht doch alles zarte -

ich vergess kurz, wie du heißt

 

dieses bei uns sein, das so warm singt

so wortlos reich, frei, licht, bejahend

ohne zu fragen, was es denn bringt

lachend, tief, nährend, nahend

 

nicht definieren, lieber vertrauen

wagen, zaubern, gegenwärtig sein

vielleicht auch - ein zuhause bauen

aus erdenholz und fliessgestein

 

ich liebe, dass wir verschieden sind

uns immer auch wachsen lassen

unbändig, lauter und auch mal kind

wandern auf abwegigen straßen

 

wenn ich sage, dass ich dich liebe

will ich dich nicht engen oder halten

ich will dir sagen, dass ich bliebe

auch an wintertagen, dunkelkalten

wenn ich einmal mein leben zaubern könnte

Ilu aus meinem Buch "Zufallsengel", Vier Türme Verlag

reim für tage, wenn nichts mehr geht

Diesen Shortie habe ich für Freunde gemacht. Ein Reimchen mit Augenzwinkern - für dunkle Tage.

Die erste Amsel

sein tag liess sich leicht berechnen

schenkte ihm jemand ein lÄcheln

so war alles gut, er kam zurecht

doch schaute nur einer kurz bÖse

ging es ihm hundsgemein schlecht

bis ein neues lÄcheln ihn erlÖste.