Andy Hertz, Lübeck

Wirst du bei mir sein?

 

Wenn das Ende kommt

und es mich erwischt,

wenn mein Atem stockt

und mein Licht erlischt,

meine Spur sich ganz heimlich

im Dunkeln verliert,

wenn die Kälte naht

und die Seele gefriert,

 

wenn mein Herz

nicht mehr schlägt,

meine Hand

nicht mehr hält,

mein Körper erstarrt

und mein Mund nichts erzählt,

 

wirst Du bei mir sein

im Morgengrauen?

Kann ich mich drauf verlassen,

Kann ich darauf vertrau‘n?

 

Jeder hätte so gern

diese Sicherheit,

doch ist jeder allein

am Ende der Zeit.

Die Überfahrt

ist für einen allein

und drüben am Ufer

hört man auf

zu sein.

Foto: Andy Hertz
Foto: Andy Hertz

10 Fragen des Lübecker Lyriktreffs

 

Wer bist du?

  

Industriekauffrau, Sängerin, Liedermacherin, Geocacherin, Hobbyfotografin, Mutter, Ehefrau, Naturliebhaberin, Katzenbesitzerin, Vegetarierin, Optimistin und jemand, der an das Schicksal glaubt.

 

Was inspiriert dich?

 

Emotionen, Musik, Ereignisse, die mich berühren

 

Womit schreibst du am liebsten?

 

Wenn ich handschriftlich schreibe, statt zu tippen, dann sehr bewusst und schön mit einem Kalligraphiestift.

 

Was wäre eine Welt ohne Poesie für dich?

 

Ich mag meine Muttersprache, ich schreibe Texte in deutscher Sprache. Ich finde, sie gibt genug her und ist so vielfältig und ausdrucksstark. Ich liebe Worte, ich benutze viele Worte, ich fühle mich wohl damit. Und sie in eine künstlerische Form zu gießen, macht mir Spaß und ich erfreue mich daran, wenn ich gute Texte höre oder lese, die mich zum Nachdenken bringen.

 

Hast du Lieblingswörter?

 

Eine Menge. Ich mag Worte, die nicht oft benutzt werden und Worte oder Phrasen, die doppeldeutig sind. Und gibt es nicht so viele schöne Metaphern?

 

Wofür müsste ein Wort erfunden werden?

 

Ich glaube, dass das Wort Liebe einfach zu allgemein ist. Ich glaube, es müsste viel mehr Worte dafür geben. Das Wort Liebe wird so leichtfertig und so inflationär benutzt, dass es im Grunde immer erklärt werden müsste.

 

Gibt es verschwindende Wörter, die du gern retten würdest?

 

Ich benutze gern Worte, die aus der Mode gekommen sind. Gerade schrieb ich: Ich arbeite emsig vor mich hin. Wer sagt das schon noch... Meine Tochter wüsste nicht mehr, was emsig bedeutet. Ist doch schade drum.

 

Welches Zitat begleitet dich durch's Leben?

 

"Those who use their eyes obtain the most enjoyment and knowledge. Those who look but do not see, go away no wiser than they came." (Frederick Horniman’s phonograph speech, January 1898)

Ich las es, als ich in London war, über einer Kneipentür auf schwarzem Holz

Fast noch bedeutungsvoller ist für mich das Zitat aus Le petit prince: "On ne voit bien qu'avec le cœur. L'essentiel est invisible pour les yeux". (Antoine de Saint-Exupéry)

 

Welche Bücher würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen.

 

Weiß ich gar nicht. Ich glaube, ich würde selbst eines schreiben.

 

Welche "gute Medizin" würdest du der Welt gern verordnen?

 

Toleranz in hohen Dosen