Andreas Oltzen, Lübeck

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10 Kafkaeske Impressionen 

 

1. Das Unzerstörbare

2. Ungeduld

3. Lässigkeit

4. Ekel

5. Keine Rückkehr

 

6. Augenblick

7. Kampf

8. Treue

9. In den Mauerwinkel

10. Die Unzahl

 

 

 

 

Akt der Befreiung

 

 

Wenn aus einer Person

eine Persönlichkeit wird,

aus einem Versuch,

aus einer Versuchung,

die verwegen ist

und unwegsam,

plötzlich etwas folgt:

 

ein folgenreicher Moment,

der alle Grenzen

und alle Begrenzungen

aufhebt,

 

dann ist da ein Strahlen

und eine Strahlkraft

wie nie zuvor,

wie selten danach,

 

dann ist da ein Kommen

und ein Ankommen,

Ankunft wie Zukunft,

in einer tiefsten Bewegung,

die sich selbst

zum Wegzeichen geworden ist,

zu einem ganz besonderen Wegzeichen,

zu einem Wegzeichen der Besonderheit,

 

dann ist da eine Befreiung

und eine Freiheit,

die das Seltene

und Seltsame

nicht als sonderbar

aussortiert,

 

sondern Räume schafft,

Freiräume schafft

für jede Leidenschaft,

die kein einziges Leiden schafft,

aber für eine Weile,

eine viel zu kurze Weile,

alle Leiden

abschafft!

 

 

 

 

Tanz der Sinnlichkeit

 

Unendlicher Reichtum,

erfahrbar im Tanz,

Reichtum der Sinnlichkeit,

wie sie nur der Tanz offenbart.

 

Der Tanz

von Augenblick zu Augenblick,

der Tanz als Geburt,

der Tanz als Geschick.

 

Der Tanz als sinnliche Gewissheit

im Hier und Jetzt,

der Tanz als Hoffnung,

herzgeladen, hochexplosiv.

 

Zwänge

 

Zwang gegen Zwang:

Zusammenhang.

 

Zwingt der eine Zwang

den anderen Zwang:

gestörter Zwang.

 

Drängt der eine Drang

den anderen Drang:

gestörter Drang.

 

Zwang auf Zwang,

Drang auf Drang.

 

Was ist deine Innerlichkeit?

Dringlichkeit?

Ein Fremder

 

Eben war er noch ein Fremder

und jetzt bist du berauscht

von seiner Stimme

und seiner unausgesprochenen Einsamkeit

mit der er langsam deine Träume auszieht

Und plötzlich, plötzlich bist du nicht mehr

dein einziger Trost

 

 

Und ein Wort

 

Und ein Wort

sanft wie ein Windhauch

verwandelte mein Leben

in ein Geben

ohne Stolz

 

Und ein Kuss

dein Kuss

nahm mich auf

in eine Welt

deine Welt

voller Kinderspiele

 

 

Jetzt geh ich mit

 

Du hast kein Ziel

und kommst doch immer an

 

Du hast dich nie verschwiegen

doch Rätsel bist du mir geblieben

 

Und wenn in der Ferne

nichts als Ferne wär'

 

Jetzt geh ich mit!

Noch so'n Einsamer

 

Ich habe

Weder Macht

Noch Zeichen

 

Nur

Die Erinnerung

An dich

 

Ich habe

Auch kein Haus

Und keinen Garten

 

Nur

Diese kleine Botschaft:

Ich vermisse dich

 

Ich bin

Kein Chef

Und auch kein Meister

 

Hab's

Nicht geschafft

Wie der und der

 

Ich bin

Der Traum,

Den du nie träumtest

 

Ich bin

Die Spur,

Die sich in dir verliert

10 Fragen des Lübecker Lyriktreffs

 

Wer, wie, was, warum bist du?

 

Vieles gleichzeitig.

 

Was macht dich glücklich / was inspiriert dich?

 

Weisheit, die ins Gelingen verliebt ist.

 

Wo, wie, womit schreibst du am liebsten?

 

In offener Stille.

 

Was wäre eine Welt ohne Poesie für dich?

 

Was wäre die Poesie ohne die Mit-Welt?

 

Hast du Lieblingswörter?

 

Mein Lieblingswort: DU.

 

Wofür müsste ein Wort erfunden werden?

 

Für ein Denken hin zur Zärtlichkeit.

 

Gibt es verschwindende Wörter, die du gerne retten würdest?

 

Wenn es solche Wörter gibt, rette ich sie durch mein Schreiben.

 

Hast du ein Zitat / Motto, das dich durch das Leben begleitet?

 

Psalm 23

 

Welche Bücher würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

 

Die Bibel, Tao-Te-King von Laotse, Lun Yū (Gespräche) von, mit und über Konfuzius

 

Welche "gute Medizin" würdest du der Welt gerne verordnen?

 

Heiterkeit